LV an der Universität Wien: "Naturwissenschaften und Strukturalismus" (auf Deutsch)

Mittwochs, 16:00-18:00, Hs. 3B - NIG, Beginn: 08.10.2008 - Fächer: § 4.1.6, BA M 5.5., MA M3, PP § 57.6 - 3 ECTS

Kommentar: Auch wenn der Strukturalismus schon in den 20er Jahren des 20. Jh. im Bereich der Linguistik entstanden ist, wurde er erst Ende der 40er und in den 50er Jahren zu einer Theorie, die sich in vielen Disziplinen breit entwickelt hat. Wenn sich heutzutage Philosophen zum Beispiel auf die Dekonstruktion Derridas berufen, geschieht dies manchmal mit einer Vorstellung von Strukturalismus, die eine wichtige Komponente vernachlässigt, nämlich dessen Prägung durch die Wissenschaft, und genauer durch die Naturwissenschaften. Die Informationstheorie und die Kybernetik sind de facto als Zement benutzt worden, um dank der Verbreitung des Strukturalismus eine Einheit des Wissens zu ermöglichen. Konzepte wie Rückkopplung oder Information im naturwissenschaftlichen Sinne, u.a. mit Null und Eins, wurden als 'trading zone' (nach der Definition von Peter Galison) benutzt. Die philosophische Frage, die dabei dahinter steckt, ist auch die Suche nach einer möglichen Interdisziplinarität. Diese Vorlesung soll die Gelegenheit bieten, zuerst einige Kapitel der Philosophiegeschichte neu zu betrachten: In wiefern zum Beispiel, spielte die Emigration des Wiener Kreises (Carnap, Frank, aber auch in kleinerem Ausmaße diejenige Gödels) eine Rolle in dieser Einheit des Wissens? Andere Fragen, die eher auf die Epistemologie zutreffen, werden ebenfalls behandelt: Was unterscheidet Metapher, Analogie und Modell? Auch soziologische Faktoren spielen dabei eine Rolle: Da die Physiker, die Ingenieure und die Mathematiker als Helden des Zweiten Weltkrieges betrachten wurden, wollten viele Linguisten, Psychologen und Anthropologen sich den Naturwissenschaften annähern. Umgekehrt gaben auch viele Naturwissenschaftler ihren Forschungsbereich auf: Der Physiker Delbrück wechselte zur Biologie, und der Mathematiker Norbert Wiener verbot sich jegliche Forschung, die Anwendungen in der Kriegführung hätten finden können. Die Ethik des Forschens soll in diesem Zusammenhang ebenfalls untersucht werden. Die ersten Veranstaltungen werden die Entstehung des Strukturalismus anhand von Originaltexten auf Englisch oder Französisch (in diesem Fall mit Übersetzungen) behandeln. In diesem Rahmen wird u.a. ein Text von Lévi-Strauss erläutert, wozu seine Gespräche mit dem Mathematiker André Weil herangezogen werden. Anschließend werden auch unter diesem Ansatz die Anwendungen des Strukturalismus untersucht. Auszüge aus Werken von Althusser, Lacan (mit einer Diskussion über seine Beziehung zur Topologie), aber auch literarische Anwendungen wie der OuliPo (Werkstatt für Potentielle Literatur) sollen diskutiert werden.

Anmeldung: Beschränkte TeilnehmerInnenzahl, max. 33

Allgemeine Bibliographie:

  1. Francois Dosse, Geschichte des Strukturalismus, in 2 Bdn., Bd.1, Das Feld des Zeichens, 1945-1966 & Bd.2, Die Zeichen der Zeit, 1967-1991 (Junius Verlag GmbH, 2000, Original auf Frz. 1995). => Mehrere Exemplare in der Universitätsbibliothek. Siehe diese gute Rezension von Elfriede Müller in Jungle World (am 27. Mai 1998).
  2. Edmund Leach, Claude Levi-Strauss zur Einführung (Junius Verlag, 2006, Original auf Eng. 1970).
  3. Claude Lévi- Strauss, Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft. (Suhrkamp, 1993, Original auf Frz. 1949).
  4. Claude Lévi- Strauss, Traurige Tropen, (Suhrkamp, 1978, Ü. Eva Moldenhauer, Original auf Frz. 1955) (Hier die CLS Wikipedia Seite)
  5. Richard Macksey and Eugenio Donato, The Structuralist Controversy The Languages of Criticism and the Sciences of Man, Johns Hopkins University Press in 1970 (1966 Kolloquium, "40th anniversary edition" in 2007)
  6. Jeffrey Mehlman, Emigré New York: French Intellectuals in Wartime Manhattan, 1940-1944 (The Johns Hopkins University Press, 2000).
  7. Claus Pias, Cybernetics - Kybernetik 2. The Macy-Conferences 1946-1953 (diaphanes, 2004).
  8. Jean-Marie Schaeffer, La fin de l'exception humaine, Gallimard, 2007
  9. Alfred Schmidt, "Der Angriff des Strukturalismus auf die Geschichte", Beiträge zur marxistischen Erkenntnistheorie, hrsg. v. Alfred Schmidt (1969) 194-265
  10. Alan Sokal, Jean Bricmont, Dietmar Zimmer, et Johannes Schwab, Eleganter Unsinn (C.H.Beck, 1999, Original auf Frz. 1999).

Spezifische Literatur, auf die Sitzungen bezogen, wird auch am Ende der Sitzungsbeschreibungen gegeben.

 

Themen für die Prüfung:

 

Sitzungen

 

 

1. Sitzung am 10. Okt.: Strukturalismus zwischen "den zwei Kulturen"

A/ Allgemeine Einführung :

1°) Strukturalismus ist in der zeitgenössischen Philosophiegeschichte besonders wichtig, um überhaupt den Dialog zwischen Philosophie und Naturwissenschaften verstehen zu können. Es war ein Versuch, das Unbewusste der kollektiven Praktiken zu verstehen. Drei Beispiele "

2°) Naturwissenschaften (NW) sind wichtig, sollen aber auch entmystifiziert werden.

3°) Die Kluft (C.P. Snow) - Umfrage auf standard.at "Wozu brauchen wir Geisteswissenschaften? Sind geisteswissenschaftliche Studien absolut unnötig oder heute wichtiger denn je?" => 2007 "Year of the Humanities".

Wilhelm Dilthey: "erklären" (NW) & "verstehen" (GW).

Beispiel einer Seminarbeit: Ulrike Pailer, (2005) "Verstehen versus Erklären- Die Geschichte einer unglücklichen Gegenüberstellung" (hier)

B/ Was ist Strukturalimus? Woher kommt er?

Die Vorwürfe gegen den Strukturalismus sind bekannter als die wissenschaftsgeschichtliche Realität. Kritik: Die vordergründige Rolle der "ahistorischen Konstanten". Die Geschichte wäre vernachlässigt. Es gäbe keinen möglichen Fortschritt. Roland Barthes [1963] : "Was ist der Strukturalismus? Er ist keine Schule, nicht einmal eine Bewegung (zumindest noch nicht), denn die Mehrzahl der Autoren, die gemeinhin mit diesem Wort in Zusammenhang gebracht werden, fühlt sich keineswegs durch eine Solidarität der Doktrin oder des Kampfes verbunden. Er ist kaum eine Terminologie: Struktur, ein alter Begriff aus der Anatomie und der Linguistik, ist heute schon sehr abgegriffen; alle Sozialwissenschaften bedienen sich seiner, und niemand wird durch den Gebrauch des Wortes charakterisiert, so sehr auch über den Inhalt, den man ihm gibt, gestritten werden mag."

=> Die Vorgeschichte

Beziehungen zwischen "Teil" und "Ganzem".

Plato, in Der Sophist schrieb über die Bedingungen unter denen die Studie eines Zeichensystems möglich ist, über die Notwendigkeit, eine begrenzte Anzahl von minimaler Einheit definieren zu können, und auch dass diese Einheit kombinierbar sein müsse, mit einigen Kombinationen, die ausgeschlossen bleiben. Man könnte auch an die cartesianische Methode (1637) denken, oder an die Biologie.

Ende 19. Jh. Durkheim (1858-1917, Begründer der Zeitschrift L'Année sociologique). Er hat 1895 Les règles de la méthode sociologique veröffentlicht.

Suche nach Anerkennung. Das Wort "Strukturalismus" etabliert sich zwischen 1900 u. 1926 als Neologismus. Die Psychologie und die Linguistik spielen dabei eine wesentliche Rolle. In der Psychologie, wollten sich einige Psychologen von den Funktionalisten distanzieren, "wissenschaftlicher" werden... oder zumindest so aussehen, das ist eben eine meiner zentralen Fragestellungen.

Der Aufschwung kommt in der Linguistik, mit dem Werk von Ferdinand de Saussure (1857-1913). Siehe Fietze [1982].

Von den NW angezogen => 1916 "Diachronie setzt tätige Kräfte voraus, die eine Wirkung hervorrufen. Aber dieser befehlende Charakter genügt nicht zur Anwendung der Bezeichnung Gesetz' der Entwicklungserscheinungen; man spricht von einem Gesetzt nur, wenn eine Gruppe zusammengehörender Tatsachen der gleichen Regel gehorchen; die diachronischen Vorgänge jedoch haben immer den Charakter des Zufälligen und Vereinzelten, auch wenn es sich in gewissen Fällen anders zu verhalten scheint."

Gesetze findet man durch Strukturen und Systeme.

Die Totalität der menschlichen Rede (le langage) wird dafür auseinander genommen zwischen dem Sprechen (parole) und der Sprache (la langue) => ? "code" der Sprache, der von den Sprechenden benutzt wird..

Orientierung an NWliche Systemdenken. " In der Sprache, gibt es nur Differezen " - Dans la langue, il n'y a que des différences " (Cours de linguistique générale, Payot, 1973, p. 166). Die Wille, seinen Arbeitbereich als eigenständige Wissenschaft zu etablieren

FdS trennt Wort zwischen "Bezeichnetes" (signifié) und "Bezeichnendes" (signifiant) => objektive Definition der Struktur des Zeichens

(Fietz [1982] S. 25) Parallele zum Schach. Dass es von Persien nach Europa gebracht wurde, ist ihm nicht wichtig. Dass die Figuren aus Holz oder Elfenbein sind, ist auch nicht wichtig. Er untersucht die "Grammatik des Spiels".

=> Die Linguistik als "Trojanisches Pferd" für die Geisteswissenschaften

Entwicklungen mit dem Prager Linguistenkreises (Vilém Mathesius und Bohuslav Havránek & die Russen Roman Jakobson und Nikolai Trubetzkoy).

1929, Roman Jakobson (1896-982), während der ersten Internationalen Linguistenkongresses, hätte von Strukturalismus gesprochen (unklar). (Auch in den Theses ist viel von Strukturen die Rede (siehe hier)

Fürst Nikolai Trubetzkoy : Zweites Moment. Die Oppositionen zwischen Phonemen lassen sich ordnen. Auf Deutsch z.B. b/p wie d/t => der von N.S. Trubetzkoy vorgeschlagene deutschsprachige Begriff "Sprachbund". Er legte den Akzent auf die Änderungen durch die Praxis und nicht auf die genetische Entwicklung (wie in der Suche nach einer Pseudo indo-europäischen Sprache) => Siehe hier

Zeichen bilden also Einheiten, die man opponieren kann, und die relativ sind. Der Däne Louis Hjelmslev gründet 1939 Acta linguistica. Der Erster Artikel behandelte "linguistique structurale". Strukturalismus als rigorose Methode für GW.

GW als 3. Weg zwischen NW & Literatur.

Bis in die 60er, großer Erfolg (Definition?) des Strukturalismus. Ling, Soz., Anthrop, Psych.

=> Der französischer Zusammenhang

Sartre war damals immer auch noch Literaturwissenschaftler (Baudelaire 1947, Flaubert 1971). Als der Strukturalismus Hochkonjunktur hat, widmet er sich Flaubert, um genauer die lit. Schöpfung zu untersuchen. Niedergang einer Philo des Subjektes.

Strukturalismus zuerst "apolitisch" im Gegenteil zu Sartre.

1955 Tristes tropiques (TEXT in zwei Wochen), Autobiographie von CLS. Rezension in Les Temps modernes => Jean Pouillon. 1956 : " Rational denken ermöglicht mathematische Beziehungen zu entdecken " [des rapports mathématisables]. Mehr über CLS in zwei Wochen

Der Strukturalismus lässt sich in Verbindung zu Positivismus von Auguste Comte (1798-1857) analysieren. Dreistadiengesetz : "kindliche" Religion, "jungenhafte" Metaphysik, schließlich "erwachsene" positive Wissenschaft.

=> Die Elementaren Strukturen der Verwandtschaft

Der Austausch von Frauen bestimmt die sozialen Beziehungen. Er findet als eine form-unbewusste Kommunikation statt. Suche nach "Invarianten", NW-Methode. In dem Fall Inzesttabus in den Gesellschaften. Als wiss. Theorie vorgestellt, mit einem mathematischen Anhang: "Sur l'étude algébrique de certains types de lois de mariage" Die Arbeit von CLS werden wir uns in zwei Wochen näher anschauen, Sie können sich aber schon Folgendes merken: mit der Verbindung, die CLS zwischen Linguistik und andere GW etabliert hat, ging es darum, den (wissenschaftlichen) Ansatz der GW sicherer zu definieren, die Grundlage unabhängig einerseits von dem damals herrschende Positivismus der NW und anderseits von dem Subjektivismus, die überall in den "humanities" verbreitet waren festzulegen.

=> Höhepunkt und Niedergang

Anfang 1960er: Missverständnisse während des Aufbaus der generativen Grammatik von Noam Chomsky. Chomsky und die Wahrscheinlichkeitstheorie. Erneuerung des Strukturalismus oder Einführung des Kognitivismus? Ende des Strukturalismus mit den 1968er Aufständen?

=> Der Reichtum des Strukturalismus in der Philosophie

Kulturelle Fakten sind Zeichen, die durch ihre Natur, und nicht durch ihre Funktion charakterisiert werden.

Keine Ontologie der Struktur (Ontologie der Struktur als unbewusster Infrastruktur ). Die Reduktion der Menschheit auf eine reine Tabelle von Kombinationen wäre ein Missverständnis. Um sich vor diesem Missverständnis zu schützen, haben sich Foucault, Althusser und Deleuze relativ strikt gegen den Strukturalismus geäußert, sie waren aber davon sehr beeinflusst (wie wir demnächst sehen werden).

Interesse der strukturalistischen Methode: man kann eine Wissenschaft bilden, mit Elementen, die selber variieren, die aber von Differenzen definiert sind.

=> "Die Ende der menschlichen Exzeption (Ausnahme)"

Jean-Marie Schaeffer hat 2007 La fin de l'exception humaine veröffentlicht. Er versucht einen Weg zu finden, abseits von der Biologisierung und dem falschen Humanismus, nachdem der Mensch keine gründliche Verbindung zur Nature hätte. Kritik an diesem Buch

Es gab andere Strömungen gegen den metaphysischen Humanismus hinzuzufügen (Althusser, Deleuze, Derrida, Foucault, Lacan, Lévi-Strauss, Lyotard).

C/ Text

C.P Snow, The two cultures and a second look, 1963 (incl. the 1959 Lecture): S. 22-24 & 35-37 & 40-42 (aus 1959) + 67-75 (aus 1963)

(Hier die Word Datei, die ich benutzt habe). Noch dazu, the Web sites relating to the Snow-Leavis Controversy.

Als Ergänzung:

 

2. Sitzung am 17. Okt.: Parallele Entstehung der Informationstheorie

Hier eine entsprechende Powerpoint Datei

Letzte Woche, mit der Entstehung des Strukturalismus, haben wir vor allem über Linguistik gesprochen (Saussure, Prager Kreis &). Heute geht es um andere Entwicklungen, die auch in den 20er und 30er Jahren stattfanden, aber im naturwissenschaftlichen und technischen Bereich.

Der Strukturalismus ist als ein Versuch entstanden, die zwei Kulturen (siehe Text von Snow) anzunähern. Sein Erfolg nach dem Zweiten Weltkrieg und bis in die 60er Jahre hinein, beschränkt sich nicht nur auf die Philosophiegeschichte. Da Sie mit den Geisteswissenschaften (GW) vertrauter sind, ist es unentbehrlich, sich mindestens während einer Sitzung mit den Naturwissenschaften zu beschäftigen.

 

A/ Ursprünge in drei verschiedenen Bereichen

=> Telekommunikationswesen: Wachstum der Ferngespräche in den 20er Jahren, wie viele Kommunikationen mit einem Kabel? Wenn es um Transozeanische Kabel geht, kann man nicht so leicht neue Kabel legen => Vertiefung des Begriffs Kapazität" (Erfindung von Multiplex > übertragung, Arbeit über den Informationsbegriff, einerseits in den Vereinigten Staaten (Ralph Hartley und Harry Nyquist in den Bell Labs) und Karl Küpfmüller bei Siemens.

=> Statistik: was wissen wir über die statistischen Parameter wenn wir ein Verteilungsgesetz annehmen und eine Probe (z.B. von Maiskolben) in der Hand haben? Was bringt es für Information"? => Ronald Aylmer Fischer (1890-1962) mußte schon die naturwissenschaftliche Definition abgrenzen. Kontext der Eugenik: "relevant information" & "relevant genes" (Definitionen von positiver und negativer Eugenik)

=> Physik: in der Quantenphysik wurde die Rolle des Experimentators hervorgehoben. In der Thermodynamik, der Begriff Entropie" wurde missverstanden. Entropie hat nichts mit Ordnung zu tun! Es geht einerseits, auf makrophysischer Ebene, um die Bezeichnung der Qualität einer Energie (eine mechanische Energie kann sich voll in Wärme umwandeln, das Gegenteil ist aber falsch). Anderseits, auf mikrophysischen Ebene, geht es um die Kapazität eines geschlossenen Systems, eine immer größere Anzahl von Zuständen zur Verfügung zu haben (Entropie eines Gases Entropie eines flüssige System). Ein Gedankenexperiment spielt eine wichtige Rolle, wenn es an der Theorie der Brownschen Bewegung (nach dem Botanist Robert Brown) angewendet wird: das Maxwell Dämon. Messen heißt seitdem Information bekommen. Der Dämon ändert aber die Entropie des Systems, es gäbe also eine Verbindung zwischen Entropie und Informationsgewinn. 1930: der US Physiker Lewis schreibt Gain in entropy always means loss of information, and nothing more"

=> Entgleisungen: Informationsgewinn ist mit Gehirnsprozess verbunden > und Entropie ist mit den Qualitäten eines physischen Systems verbunden. Viele Missverständnisse entstanden und manche dachten, sie könnten Zauberkunst wie Parapsychologie oder Telekinese (Gedankenübertragung) wissenschaftlich" erklären.

 

B/ Konvergenz dieser drei Definitionen während des 2. Weltkrieges

Umwandlungen in der Forschungslandschaft: "National Defense Research Committee" (NDRC, 27.6.1940), dann "Office of Scientific Research and Development" (OSRD, 28.6.1941).

Flugabwehr: Zwei Projekte, am MIT mit Norbert Wiener (1894-1964) & an den Bell Labs. Wiener merkt, dass es eine gewisse Instabilität in der Kanone gibt. Probleme in der Rückkoppelung (Was ist eine Rückkoppelung? Beispiel Auto fahren, Ataxie). Er trifft Arturo Rosenblueth (mexikanischer Kardiologe und Physiologe, 1900-1970) => weitere Austausche während Symposien, u.a. von der Macy Fundation gestiftet. 1942 "on cerebral inhibtion" & 1946-1953 " Feedback Mechanisms and Circular Causal Systems in Biological and Social Systems" => Cybernetics or control & communication in the animal & the machine.

Cybernetics S. 9: "The deciding factor in this new step was the war". Cybernetics als allgemeine Überlegungen zu Regelungsvorgängen, mit dem Modell der Rückkopplung.

Claude Elwood Shannon (1916-2001) mit Richard B. Blackmann und Hendrik W. Bode. Seit dem 1. Weltkrieg, die Flieger flogen zwei Mal höher, und ca. zwei Mal schneller. Es war nötig, den Radar und die Flakartillerie zu koppeln, ohne menschliche Vermittlung. Die Daten aus dem Radar wurden also als "Information" für die automatische Führung von Kanonen betrachtet => "transmission, manipulation and utilization of intelligence"

Kryptologie (parallel zu der Arbeit von Alan Turing in Bletchley Park): Kernfrage, wie kann mann messen, dass man sich der Entschlüsselung annähert?

1945 schrieb Shannon die Resultate seiner Forschungen in "A mathematical theory of cryptography" nieder. Die Arbeit blieb zwölf Jahre lang als "classified" unter Verschluß, enthielt aber bereits alle Elemente der Kommunikationstheorie, wie sie Shannon 1948 veröffentlichen sollte.

"Die Kommunikationstheorie, ursprünglich vorgestellt in der Gestalt einer mathematischen Theorie, wird nun unter der Bezeichnung Informationstheorie als Teilwissenschaft in die Kybernetik eingeordnet."

 

C/ Kybernetik und Informationstheorie

Shannon 1948, 1949: Kaum war Shannons Artikel in zwei Ausgaben des "Bell System Technical Journal" erschienen, folgte bereits eine Neuauflage in Buchform, diesmal unter dem Titel "The Mathematical Theory of Communication".

Schema einer Kommunikation.

Definiton (Beispiel Karten, Ein Tag im Jahr usw.), Einheit ("bit"), Vergleich mit Entropie. &

und für Ingenieure & Kapazität, Existenztheorem (Egal wie klein die Fehlerrate definiert ist, existiert eine Codierung zur eindeutigen Repräsentation der einer diskreten Informationsquelle. Manche Koden wurden erst in den 1990er gefunden). Über die Heuristik dieser Arbeit &

Shannon bei den Macy conferences. "t s fr nstnc wll knwn tht lmst ll nglsh txts cn b mmdtl ndrstd b sffcntl ntllgnt rdrs vn f ll thr vwls r mttd" (Anm.: es gilt auch für StundentInnen!)

Wiener ("Genie" siehe Titel seiner Autobiographie : "Ex-Prodigy (1953)"), immer mehr Werbung für die Kybernetik. Annäherung von den Meschen an die Natur, so dass man die Naturwissenschaften anwenden kann. Kybernetik also als anti-Humanismus, Risiken der Entwicklung einer Technokratie (Heidegger Vorwürfe, siehe Spiegel-Gespräch)

Shannon (Ingenieur) immer skeptisch (siehe 1956 "The Bandwagon", hier als *.doc Datei), was das Analogiedenken angeht.

 

D/ Ideologische und politische Aspekte der Entwicklungen der Kybernetik

Zur Methode: "Verbindungen zwischen Wissenschaft und Ideologie sind von Anbeginn für die hier untersuchte historische Entwicklung konstitutiv, nicht zuletzt, weil die Kybernetik und die Informationstheorie in ihrem Entstehungskontext auf das Engste mit entscheidenden von der Kriegsforschung hervorgebrachten technischen Entwicklungen verbunden sind. Eine Theorie, die wie die Informationstheorie mehrere andere Teile des Wissens "erobert" hat, läßt sich in ein Netzwerk von verschiedenen wissenschaftlichen Einflüssen einordnen, das sie auf ein materielles Gefüge stützt, welches mit der Organisation der Wissenschaft selbst ebenso wie mit es betreffenden politischen Entscheidungen verbunden ist und insofern zur Grundlage der Gesellschaft gehört." (Segal 2004, RTF Datei)

Die "Ansteckung" des Ostblocks durch eine vermeintlich bürgerliche Wissenschaft (1948-1961).

Die erste auffindbare Spur der Kybernetik in der DDR ist die Übersetzung und Veröffentlichung eines Artikels unter dem Titel "Die Kybernetik - eine neue 'Wissenschaft' der Obskuranten", der einen Monat zuvor im April 1952 in der UdSSR erstmals erschienen war. Zunächst wird also die Einführung dieser Theorie im "Bruderland" Sowjetunion zu betrachten sein. Kybernetik als eine "Reaktionäre Pseudowissenschaft"

Zu allererst handelte es sich bei der Kybernetik um eine Theorie, die in den USA entstanden war und damit in diesen Zeiten des Kalten Kriegs beinahe von vornherein als verurteilungswürdig gelten mußte. Die mit ihr verbundene Automatisierung gemahnte zu sehr an verschiedene Aspekte des Taylorismus und erschien als Gegensatz zu deren sowjetischen Modell, welches der Befreiung der Arbeiter dienen sollte, um diesen schöpferische Arbeit zu ermöglichen. Zudem hätte in diesem Zusammenhang eine Definition der Arbeit auf der Grundlage des Informationsbegriffes die Bedeutung der Klassenverhältnisse zumindest relativiert und sich mit der sowjetischen Variante des Marxismus gestoßen. Zweitens enthielt die Kybernetik philosophische Grundannahmen, vorweg ihre idealistische Interpretation und der enorme Gebrauch vom Denken in Analogien, die mit dem dialektischen Materialismus unverträglich schienen. Allein der Umstand, daß Wiener erklärt hatte, er interessiere sich für lebende Wesen und Maschinen gleichermaßen, ließ ihn in den Augen marxistischer Denker im günstigsten Fall als mechanistischer Materialist erscheinen, was ja selbst schon eine revisionistische Haltung war. Die das zu untersuchende System umgebende Umwelt wurde zudem als indeterministisch angenommen, Stabilität sollte allein von der sinnfälligen Einrichtung von Regelungssystemen gewährleistet werden. Indeterminismus war aber mit dem herrschenden klassischen Marxismus vollkommen unvereinbar. Erinnert werden soll an dieser Stelle nur daran, daß zu gleicher Zeit die Einsteinschen Relativitätstheorien noch immer in Zweifel gezogen wurden und die französische marxistische Wochenschrift "Les Lettres françaises" am 18. Juni 1953 ihr Titelblatt der "Konversion" Louis de Broglies vom Indeterminismus zum Determinismus in der Atomphysik widmete. Wieners Aussage "Information is information, neither matter nor energy. No materialism which does not take this into account can survive the present day" erwies sich darüber hinaus als ein weiterer "Stachel" im Fleisch der Marxisten. Schließlich ließ die Übernahme kybernetischer Denkweisen in verschiedenen Einzeldisziplinen Gefahren befürchten: In der Wirtschaft könnte die Kybernetik mit ihren Selbststeuerungsmodellen den Kapitalismus rechtfertigen, so wie dieser in Prinzipien wie "Angebot und Nachfrage bilden den Markt" vulgarisiert wurde. Bereits 1952 hatte in dieser Art der "Scientific American" das Keynessche Modell der Wirtschaft in der Form eines kybernetischen Schemas dargestellt und damit auch gerechtfertigt. In der Biologie richtete sich die Kybernetik gegen Pawlows Reflextheorie, die keine Rückkopplungen vorsah. Am besten wäre es, so war die Auffassung einiger Wissenschaftler, die Kybernetik sei nur eine Technik und solle auch nur eine Technik bleiben.

Kleine Handbuch der Philosophie: "Kybernetik: reaktionäre Pseudowissenschaft, die nach dem zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten entstand und andere kapitalistische Länder ansteckte."

Im Jahr 1956 erhielt Kolmogorow die Möglichkeit eines Forschungsaufenthalts am MIT.

Die Etablierung der Kybernetik in ihrer offiziellen Auslegung als naturwissenschaftliche Bestätigung des dialektischen Materialismus (1961-1963)

Man kann wieder drei Gründe dafür angeben: Erstens wurde Wiener, infolge seiner kritischen Stellungnahmen über die amerikanische Gesellschaft, insbesondere in der zweiten Auflage von "The Human Use of Human Being", in der er sehr eindeutig gegen den MacCarthyismus Position bezieht, nicht mehr als "imperialistischer Wissenschaftler" angesehen. Er hatte die Bedeutung von Kolmogorows Arbeiten anerkannt, zeigte sich reserviert gegenüber dem Bildungssystem der Vereinigten Staaten und war stark gegen Atomwaffen engagiert. Er wollte mit der Kybernetik neue Prothesen und Verfahren zur automatischen Übersetzung entwickeln und war mehr als je ein großer Freund des marxistischen Genetikers J.B.S. Haldane.

2. Des weiteren hatte auch das Militär die Bedeutung der Kybernetik erkannt. Gerovich erinnert an den von dem Ingenieur und Vize-Admiral Aksel Berg verfaßten Geheimbericht über die Kyberne-tik.

3. Für die Öffentlichkeit war es fraglos der Vortrag "Was ist Kybernetik ?" von Arnost Kolman, den dieser am 19. November 1954 vor der Akademie für Sozialwissenschaften des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der UdSSR hielt, der die Umorientierung anzeigte. Das bedeutete grünes Licht für die Kybernetik.

Ausdrücklichen Willen, die kybernetischen Grundlagen zu allumfassenden Anwendungen im Land zu bringen => Entartung und Normalisierung (1963-1971).

Zum kommentieren: Grundriß der Kybernetik von L. Teplow (siehe in der Powerpoint Datei)

Übergang zum nächste Sitzung: Als RJ Cybernetics liest, schreibt er an Wiener (Dez. 1948) : "It is indeed a book which is epoch-making. At every step I was again and again surprised at the extreme parallelism between the problem of modern linguistics analysis and the fascinating problems which you discuss. The linguistic pattern fits excellently into the structure you analyze and it is becoming still clearer how great are the outlooks for a consistent cooperation between modern linguistics and the exact sciences."

Als Ergänzung:

Texte

Hier die Word Datei

Fragen

Zusatz: diese Doktoarbeit von Uwe Lünstroth, Philosophische Anthropologie bei Carl Friedrich von Weizsäcker (PDF)

 

 

3. Sitzung am 22. Okt.: New York 1948, Begegnungen

Hier die entsprechende Powerpoint Datei.

Letzte Woche habe ich über die Entstehung der Informationstheorie gesprochen. Die Kernpunkte waren:

Heute werden wir sehen, welche Begegnungen zwischen Vertretern der zwei Kulturen stattfanden. Wir hatten letzte Woche gesehen, im Brief von Roman Jakobson an Norbert Wiener von Dezember 1948, wie er sich für die Kybernetik begeistert hatte. Kurz danach, im Jahre 1949, übernimmt Jakobson in Harvard den Lehrstuhl, den früher Wieners Vater besaß, was natürlich Wiener tief gerührt hat. Jakobson hat dann wichtige Aspekte der mathematischen Theorie der Kommunikation von Shannon übernommen. Er hat z.B. die Entropie der russischen Sprache berechnet.

A  Geisteswissenschaften im Zweiten Weltkrieg

Forschungsorganisationen:

Interdisziplinäre Arbeit

B  Die Rolle der europäischen Emigration in New York

Cf. Emmanuelle Loyer & Jeffrey Mehlman (Bibliographie und hier unten, die Ergänzung)

Laufbahn Änderungen: Delbrück wechselt von der Physik zur Biologie. Die nächste Sitzung ist der Rolle des emigrierten Wiener Kreises gewidmet.

Amerikanische Stiftungen

Die Ecole Libre des Hautes Etudes  in New York

C  Lévi-Strauss zwischen Jakobson & Breton

Biographische Elemente

Kunst und Ethnologie, siehe André Breton & Max Ernst.

Die Begegnung

D  Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft

E  Einflüsse und Nachfolgen

Einheit mit dem Informationsbegriff

Jakobson, Cherry & Halle [1953]: Toward the logical description of languages in their phonemic aspect  Auch Institutionen 1957 neue Zeitschrift Info & Control mit NW, CES und RJ

Auch Sinn wurde beschrieben als eine Wahl unter Alternativen, an der auffällt, dass sie das, was sie nicht gewählt hat, als eine fortdauernde Möglichkeit erinnert.  (Luhmann 1971) Jean-François Lyotard, « À propos de Lévi-Strauss : les Indiens ne cueillent pas les fleurs », Annales. Histoire, Sciences Sociales, 20 (1), 1965, pp. 62-83

Als Ergänzung:

Texte

Claude Lévi-Strauss, Tristes tropiques, Plon, Paris, 1955 ( Traurige Tropen )

Strukturalismus als super-rationalismus  &

Fragen zu dem Kapitel 6 (S. 54-64 in der englischen Übersetzung, sonst im Handapparat)

HIER (weil es eine Anfrage gab), O-Text auf Französisch .
  1. Welche Rolle spielt die Philosophie im Werdegang von Lévi-Strauss?
  2. In wiefern kann man vermuten, dass seine Abneigung für geschichtliche Prozesse aus seiner Erfahrung des Philosophieunterrichts resultiert?
  3. In wiefern kann man behaupten, dass seine Denkweise schon in seiner Studienzeit strukturell  war?
  4. Apropos Zwei Kulturen  von C.P. Snow, wie wäre es bei Lévi-Strauss einzuordnen?
  5. Wie sind die klassischen Antinomien des Philosophieunterrichts Grundlagen seines Denkens geworden?
  6. Wie erklären Sie seine Abneigung gegenüber der Kantischen Philosophie? Die Beziehungen zwischen Geologie, Psychoanalyse und Marxismus?
  7. Worin bestehen seine Vorwürfe an die Philosophie?

4. Sitzung am 29. Okt.: Der Wiener Kreis und der Strukturalismus als Wege zur Einheit des Wissens 

1900 Planck (1858-1947), Strahlungsgesetz beim Problem der Schwarzkörperstrahlung, photoelektrischer Effekt, Einstein 1905 (Spezielle Relativitätstheorie) 1916 (Allgemeine Relativitätstheorie) => Die kantische Philosophie wird in Frage gestellt. Die euklidische Raumkonzeption wird ungenügend.

Zerfall des mechanistischen Weltbilds. Siehe Boltzmann & Entropie (2. Sitzung).

Streben nach Wissenschaftlichkeit, das sich nicht zuletzt in einer intersubjektiv überprüfbaren Vorgehensweise und einer möglichst eindeutigen Fachsprache niederschlägt.

Die Logik als Teil der Philosophie anerkannt.

Die Philosophie soll zwei Klippen in ihrer Beziehung zu den Naturwissenschaften umschiffen: einerseits die Mischung von Bewunderung und Ehrfurcht vor der Wissenschaft (gemeint hier sind die NW), und anderseits ihre Zurückweisung, wenn die Philosophie sich als höhere Instanz behauptet, um die Wissenschaft zu beurteilen [Ehrfurcht & Verachten] => [Scientismus & Relativismus].

Definitionen: Empirismus, erkenntnistheoretische Richtung, die alle Erkenntnis aus Sinneserfahrungen ableitet. Positivismus (Auguste Comte, 1798-1857). Logischer Positivismus: Ablehnung der Grundhaltung, nach der eine Struktur sich durch Kausalität erklären ließe & für eine Definition der Struktur, die die logische Beziehungen zwischen den wissenschaftlichen Gesetzen widerspiegelt.

Naturwissenschaften => Suche nach Harmonie ("Das Buch der Natur ist in der Sprache der Mathematik geschrieben", soll Galileo 1623 geschrieben haben) & Philosophie => Suche nach Einheit?

A/ Der Wiener Kreis

Bewegungen der philosophischen Tradition des Empirismus: die sinnlichen Wahrnehmungen sollen eine zentrale bzw. ausschließliche Rolle in Erkenntnisprozessen haben.

Gottlob Frege (1848-1925) Logiker u. Philosoph

Physik: Helmholtz, Mach, Einstein & Mathematik: Poincaré, Hilbert und Russel

Freud: Zweifel an der Wissenschaftlichkeit

Warum Wien ? Wien war "ein besonders geeigneter Boden" für diese Entwicklung, steht in der Programmschrift. Neurath: "Österreich erspart sich das Zwischenspiel mit Kant". Kantismus war für die habsburgische Monarchie mit der frz. Revolution verbunden. Tractatus logico-philosophicus von 1921, das frühe Hauptwerk Ludwig Wittgensteins (ursprünglich Logisch-Philosophische Abhandlung).

Wiener Kreis: Projekt einer Erneuerung in Wissenschaft und Philosophie. Neue Art Aufklärung, weil die Arbeit der Gruppe sich auch als Beitrag zum Aufbau einer neuen Gesellschaft versteht. Explizites Ziel: Einheit des Wissens und kulturelle Bestrebungen. 1928 gab es schon den "Verein Ernst Mach".

Begründer: Moritz Schlick (1882-1936), jeden Do. nach seiner Vorlesung, ab 1924. Er war seit 2 Jahren in Wien (vorher in Kiel), hatte den Lehrstuhl von Ernst Mach (1838-1916) übernommen. Hatte im Fach Optik unter Max Planck in Berlin promoviert.

1929: Die Programmschrift Wissenschaftliche Weltauffassung. Der Wiener Kreis

Paul Lazarsfeld (1901-1976), der zu diesem Zeitpunkt bei der sozialdemokratischen Jugendbewegung war, erinnerte sich, dass die Rede von einer gesellschaftlichen Modernisierung, einer politische Neuerung war.

Otto Neurath => Berücksichtigung ökologischer Fragen. Er war einer der Hauptorganisatoren der Siedlerbewegung (genossenschaftliche Selbstverwaltung).

Verbindung zwischen Wiener Kreis & Bauhaus: die "neue Sachlichkeit" ("fact-minded" schreibt Feigl, der von Neurath nach Dessau geschickt wurde), "Im Verismus gestaltet sich die Neue Sachlichkeit als eine politische Kunst, die sich kritisch mit der Gesellschaft der Weimarer Republik auseinandersetzt und mit sozialistischen und kommunistischen Zielen solidarisierte".

Das Ziel der Philosophie des Wiener Kreises war - eben im Anschluss an die Forschungen von E. Mach - die Vereinigung von Empirismus und moderner Logik zu einer Einheitswissenschaft, wobei die Metaphysik abgelehnt wurde. Grundlegend war das Bemühen, alle wissenschaftlichen Aussagen in eine umfassende formale Sprache (zum Beispiel in die der Mathematik oder der Physik) zu übersetzen, um die Objekte der Philosophie (die Sätze, Begriffe und Theorien der Wissenschaft) darzustellen.

Hans Reichenbach (1891-1953), "Gesellschaft für empirische Philosophie" in Berlin.

Als publizistische Organe des Wiener Kreises UND der Berliner Gruppe (nach einer Tagung in Prag, Sept. 1929) dienten die Zeitschrift "Erkenntnis" (ab 1937 "Journal of Unified Science") sowie die Schriftenreihen "Schriften zur wissenschaftlichen Weltauffassung" und "Einheitswissenschaft"; im Exil wurde die "International Encyclopedia of Unified Science" herausgegeben.

Carnap: "Die physikalische Sprache als Universalsprache der Wissenschaft", Erkenntnis, 2, 1931, pp. 432-465

"Einheit der Wissenschaft durch Einheit der Sprache", Actualités scientifiques et industrielles, N° 533, 1937, pp 51-57

The Logical Syntax of Language, R.I. Severs, Cambridge, 1937

B/ Der Wiener Kreis in den Vereinigten Staaten

Der Wiener Kreis erreichte bald internationale Geltung, bis seine Arbeit in Wien durch Austrofaschismus und Nationalsozialismus unterbrochen wurde. Die namhaften Vertreter des Wiener Kreises emigrierten in die angelsächsischen Länder, wo ihr Einfluss zusätzliche Verbreitung fand und auch (wie wir sehen werden) nach 1945 die Entwicklung der Wissenschaftstheorie maßgeblich beeinflusste.

1929 & 1931: Schlick (der eine amerikanische Frau geheiratet hatte), ist in die US eingeladen.

1930: Herbert Feigl für 9 Monate dank eines Rockefeller-Stipendiums in den USA (7 Jahre später US-citizenship). Trifft sich schon 1931 mit vielen US-Philosophen, die "scientifically-oriented" waren.

1931 : A. E. Blumberg and H. Feigl, "Logical Positivism: A New Movement in European Philosophy" in The Journal of Philosophy.

1932 Quine kommt in Wien an, dank einer Harvard-Stipendiums. Er besucht die VL von Schlick, nimmt an den Treffen teil, hält in Januar 1933 einen Vortrag, trifft sich mit Reichenbach und später Carnap in Prag.

1933 Feigl überredet Morris, dass er Carnap in Prag besuchen soll => Reise in 1934 & und so emigriert Carnap 1936 nach Chicago.

1934: "Verein Ernst Mach" sofort verboten. "Der zutiefst unpolitische Gelehrte und Philosoph konnte nicht sehen, wie sehr die Forderung, dass Behauptungen logisch konsistent und empirisch überprüfbar sein müssen, einer Diktatur missfallen musste, die vorgab, ihre Legitimation direkt aus der christlichen Lehren ableiten zu können." (Nemeth 2003).

1934 Otto Neurath emigrierte zunächst in die Niederlande nach Den Haag, musste aber 1940 weiter nach England flüchten, um seine Arbeit fortzusetzen, wo er 1945 in Oxford starb.

Die logisch-mathematische Orientierung der Philosophie war "jüdisch".

22. Juni 1936: Schlick wurde ermordet. Ende der Wiener Kreises.

Herbert Feigl verließ Wien schon 1931; floh 1934 nach Den Haag; Rudolf Carnap emigrierte 1935 von Prag aus, in die USA; Karl Popper floh 1937 nach Neuseeland.

C/ Die Einheit des Wissens am Ende des Zweiten Weltkrieges

16.12.1931 Gast des 38. Kolloquiums in Wien: Norbert Wiener (aus Cambridge). Titel des Vortrages "Bemerkungen über Kapazität". [im Rahmen des mathematischen Kolloquiums des Wiener Kreises]

1938 Gründung der "Foundations of the Unity of Science. Toward an International Encyclopedia of Unified science"

" Invisible College " in Chicago : H. Simon, Carnap, McCulloch (der die Masterarbeit von Shannon und die Arbeit von Wiener kannte, ebenso wie die Aufsätze von John von Neumann über symbolische Logik). Pitts, der mit McCulloch arbeitet, ist ein Schüler von Carnap.

23. August 1949, Brief von Shannon an McCulloch, um Ron Hubbard einzuführen. Dianetik wie Kybernetik?

1953 Yehoshua Bar-Hillel (1915-1975, Schüller von Carnap) nimmt an der 10. Macy Konferenz teil.

1948-1966 Institute for the Unity of Science (Ph. Frank)

1975 Moon, "Unification Church", organisiert auch eine Konferenz für die Einheit der Wissenschaften.

Informationstheorie und Kybernetik als "Trading zones" (Galison)

D/ Gemeinsamkeiten zwischen Strukturalismus und logischem Positivismus

Eine auf der Wissenschaft fundierte Philosophie: "Philosophy for our age of science" (Feigl S. 651). "Modernismus"

Feigl (S. 658) "The foundations of mathematics and the structure and confirmation of the theories in the natural and social sciences have been among our major concerns."

Ablehnung der Metaphysik => insofern unter den verschieden Positivismen einzuordnen.

Wiener Kreis und Strukturalismus als zwei Verstärkungen der analytischen Philosophie. Opposition zur kontinentalen Philosophie.

Zwei Richtungen in der analytischen Philosophie : Willard Van Orman Quine (1908 - 2000, vom Wiener Kreis beeinflusst) und Peter Frederick Strawson (1919 - 2006, "Begriff" im Sinne von sprachlichem Ausdruck). Bestehende Merkmale der analytischen Philosophie heute

Heute Kognitivismus als neuen Beitrag zur Entwicklung der analytischen Philosophie?

E / Beitrag des logischen Positivismus zu den Beziehungen zwischen Strukturalismus und Naturwissenschaften

Beiden Konzeptionen der Einheit des Wissens gemein ist die besondere Bedeutung, die der Sprache beigemessen wird. Bei der Entstehung des Strukturalismus hatten wir die Rolle der Linguistik hervorhoben, vor allem die Rolle des Prager Kreises und des Werks von Roman Jakobson, ausgehend von der allgemeinen Sprachtheorie von Ferdinand de Saussure. Für den Wiener Kreis, in Europa wie in den Vereinigten Staaten, ist es ebenfalls die Sprache, und vor allem die Sprache der Physik, die ein wesentliches Element darstellt.

Als die Informationstheorie sich als Denkinstrument für die Linguistik vorgestellt hat (siehe 2. Sitzung), waren vor allem die Strukturalisten wie Claude Lévi-Strauss begeistert. Vertreter des Wiener Kreises wie etwa Rudolf Carnap haben auch massiv zu dieser Diskussionen beigetragen.

Yehoshua Bar-Hillel, ein israelischer Logiker, Schüler von Carnap, hat die Begeisterung mancher Strukturalisten eingedämmt. Beispiel automatische Übersetzung. Weaver hoffte 1949, dass die Informationstheorie alle drei Dimensionen der Information (Syntaxik, Pragmatik, Semantik) modellieren könnte. Bar-Hillel war realistischer.

Als Ergänzung:

 

Texte

Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus (ursprünglich "Logisch-Philosophische Abhandlung", Annalen der Philosophie, 1921) . Einführung von Bertrand Russell (Fellow of the Royal Society), S. ix bis xii, Vorwort des Verfassers und Teile 2.032-2.15 (online, zweisprachig, hier)

Fragen

 

5. Sitzung am 5. Nov.: Strukturalismus und Linguistik  

A/ Yehoshua Bar-Hillel als Vermittler

Vorreiter der Generative Grammatik. Er glaubte, dass man Dank statistische Analyse die Grammatik von unbekannten Sprachen finden könnte (Chomsky 1957). Er sucht mit Zellig Harris eine Entdeckungsprozedur [discovery procedure].

1950/51, Dank einem Stipendium seiner Uni, ein Jahr in Chicago mit Carnap.

Er hatte schon in Israel Kybernetik von Wiener gelesen und entdeckt das Buch von Shannon und Weaver Dank Carnap. Diese Theorien "fitted in rather well with my general utter distrust of metaphysics and speculative philosophy & and with my increasing interest in the use of mechanical methods in logic and linguistics"

"He knew that Harris was becoming interested in the then newly invented electronic computers to develop a mechanical 'discovery procedure', and cybernetics itself presented a theoretical framework based on logic, information theory, and neurobiology which held out prospects for computer models of human behavior."

1951 : von Chicago nach MIT, trifft sich mit Walter Pitts (siehe Pitts/McCuloch 1943), bekommt dann eine 2jährige Stelle am Research Laboratory of Electronics (RLE).

Die Stimmung damals: "There was an ubiquitous and overwhelming feeling around the Laboratory that with the new insights of cybernetics and the newly developed techniques of information theory the final breakthrough towards a full understanding of the complexities of communication in the animal and in the machine had been achieved. Linguists and psychologists, philosophers and sociologists alike hailed the entrance of the electrical engineer and the probability mathematician into the communication field"

Modellierung der Sprache durch Markov Ketten (Wahrscheinlichkeitswerten wenn man Übergänge berechnet, z.B. auf Englisch, wenn man q' hat, kommt relativ wahrscheinlich eine u' (oder h' nach sc' auf Deutsch).

Bar-Hillel: "the only thing missing for a complete understanding of the communication process & was reliable statistics on the relative frequencies of digrams, trigrams, etc."

Trifft sich mit Chomsky (Schüller von Harris), den er schon im Herbst 1951 kennen gelernt hatte. Chomsky hatte keine Interesse an Statistik, machte eher den Unterschied zwischen Kompetenz (bei Chomsky von der "langue" des idealen Sprechers ausgehend) und der Performanz (von der "parole" realer Sprecher ausgehend).

Bar-Hillel arbeite immer am automatische Übersetzung (mechanical translation). Zwei verschieden Probleme: entweder mit oder ohne einer Zwischensprache (wenn mit', dann mit einer "general grammar"). BH misstrauisch u. kritisch gegenüber frühere Versuche, ein universalle Sprache zu definieren (Esperanto! Zamenhof 1897).

Juli 1953, zurück nach Israel.

1958 research contract from the U.S. Office of Naval Research to investigate the mechanization of linguistic data processing, and MT in particular.

Zu dieser Zeit gaben die USA eine halbe Million Dollar für MT (150 Forscher), mehr in der UdSSR.

Mehr über Bar-Hillel: John Hutchins, "Yehoshua Bar-Hillel - A Philosopher's contribution to machine translation" (Amsterdam: John Benjamins, 2000), pp.299-312 Early years in machine translation, ed. W.John Hutchins (Amsterdam: John Benjamins, 2000), pp.299-312

Hier, 4500 Aufsätze über automatische Übersetzung

 

B/ Lévi-Strauss und die Linguisten, abseits von seiner Begegnung mit Jakobson

CLS, 3 Grundwerken:

- Seine Doktorarbeit, Die elementare Struktur der Verwandtschaft

- Die drei Sammelwerken: Strukt. Anthropolgie I, u. II + Le regard éloigné (Der Blick aus der Ferne, Original auf Frz. 1983)

- Mythologiques (4 Bände, 1964, 67, 68 u. 71).

 

Hier "Conference of Anthropologists and Linguists", Bloomington, Indianan, 1952 Drei Pb:

Linguisten fürchten, dass sie den Kontakt mit den anderes GW (human sciences) verlieren. Die Linguistik ist jetzt "drüben", über diese Kluft zwischen. NW u. GW gesprungen.

CLS: Wir (Anthropologen) werden melancholisch und neidig. Können wir nicht auch zu unseren Komplexen Felder von Verwandtschaft, soziale Organisation, Religion, Folklore und Kunst, diese rigorosen Methoden anwenden?

CLS eingeladen, um den Workshop zusammenzufassen. Er hatte die Linguistik Sessions besucht, zeigt sich von dem "Präzisionsgrad" sehr beeindruckt.

Jetzt arbeiten Linguisten mit Ingenieure, auf einem technischen Basis. Die NW waren für ihn wie einen Paradies. Linguisten haben eine "kleine Tür" Richtung Paradies eingeführt.

Widerspruch: Linguisten möchten jetzt mehr Zugang zu den Tatsachen und kommen mit diesem Sinn zu den Anthropolgen, die, in der anderen Richtung zu diesen Paradies gelangen möchten, d.h. mit den Ingenieuren arbeiten.

Sprache u. Kultur, zwei Produkte des "Menschlichen Geistes" (Geist, im Sinne von Phantom).

Beispiel 1: zwei Fälle oder Präpositionen für das weibliche Genre bei den Oneida [eine der sechs Nationen der Irokesen in Nordamerika]. CLS erzählt, dass Lounsbury versucht hat, diesen Unterschied durch Verhaltens-Analyse zu verstehen [er hat Oneida Verb Morphology in der Reihe Publications in Anthropology veröffentlicht]. Das war für CLS aussichtslos, weil dieser Unterschied eher mit unbewussten Kategorien der Gedanken zu tun hat. In dieser Gesellschaft, starke Frauenmacht => Unterschied zwischen Frauen, die die Macht ausüben können, und andere, z.B. Jüngeren. CLS sagt, "Ich setze nicht eine Korrelation zwischen Sprache und Verhalten, aber zwischen zwei homogenes Expressionen, der linguistische Struktur und der sozialen Struktur."

Beispiel 3: Schon Analogie zwischen Verwandtschaft u. Mythologie => bestimmt auch mit Sprachen.

Zusammenfassung: bald eine neue Wissenschaft, "eine Anthropologie in allgemeinen Sinne", als "Kenntnis von Menschen, die durch viele Methoden u. Disziplinen entsteht."

In der Diskussion (frz. O-Ausgabe pp. 101-102), CLS antwortet auf Kritiken von Haudricourt & Granai, "Linguistique et sociologie" (1955).

p. 95 Sie sind für eine "kopernikanische Revolution" : eine Interpretation der Gesellschaft, in im Zusammenhang mit einer "Theorie der Kommunikation". CLS schreibt, dass es schon möglich ist, Verwandtschaft, als Kommunikation von Frauen, Wirtschaft, als Kommunikation von Waren zu beschreiben, genau wie die Telekommunikation, eine Kommunikation von Nachrichten ist.

Haudricourt & Granai werfen der strukturellen Analyse vor, den Anthropologen oder den Linguisten in der Synchronie einzusperren, als ob sie die Entwicklung der Sprache vernachlässigen wollten. Man hätte dann beliebig viele Systeme, für jede beobachten Zustand. CLS antwortet darauf mit Ockhams Rasiermesser ( Simple is beautiful', so wenig Hypothesen wie möglich), und einem Zitat von Jakobson (es lohnt sich zu glauben, dass es eine Identität zwischen Welt- u. Denkgesetzt gibt, die den Unterschied zwischen Diachronie und Synchronie relativisiert. Er nimmt auch ein Beispiel aus der Physik , wo man am Anfang des 20. Jh. zwei konkurrierende Erklärungen hatte (vor Einstein).

 

C / Deleuze Analyse des Strukturalismus, Geburt der "French Theory"

Einführung zu den nächsten Sitzungen: Deleuze über den Strukturalismus: "In Wirklichkeit gibt es keine Struktur außerhalb dessen, was Sprache ist, und sei es auch eine esoterische oder sogar eine nicht verbale Sprache." (S. 8) Gilles Deleuze, 1967, Woran erkant man den Strukturalismus?

Original auf Frz.

Übersetzung auf Deutsch

 

Für den 19. November

Fragen zum Text  von Johannes Angermüller, Gesellschafts- als Diskursanalyse? Der Poststrukturalismus und die Methodenfrage (S.1-4)

S. 1: Was ist Poststrukturalismus? (Sie können dafür recherchieren)

Was sind die Merkmale der Rezeption von Poststrukturalismus in den USA?

S. 2: Wie kann man die poststrukturalistische Kritik an »der« Gesellschaft verstehen?

Was sind die Beiträge von Foucault, Butler, Hardt und Negri zur Gesellschaftstheorie?

S. 3: Warum ist  für den Autor die Kritik von Laclau/Mouffe problematisch?

S.3 u.4: Was ist unter dem Begriff der Äußerung zu verstehen und inwiefern kann man sagen, dass die vorgestellte Theorie nach den Deleuze Kriterien strukturalistisch ist?

6. Sitzung am 19. Nov.: "Post-Strukturalismus" und "Cultural Studies"

 Special guest, Anne Chalard-Fillaudeau (Rice University, Houston, z.Z. am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien): "Das neue französische Denken oder die 'Strukturalisten'. Überlegungen zu einer Success story in den USA" (sie hält auch einen Vortrag am IFK, "Tradition oder Innovation? Die Anfänge der "sciences de la culture", am 9. Dez.)

Ein Buch wirklich sehr gut zum lesen, um mehr über poststrukturalismus zu wissen, Johannes Angermüller, Nach dem Strukturalismus - Theoriediskurs und intellektuelles Feld in Frankreich, Transcript Verlag, Bielefeld, 2007.

Michael Makropoulos, Foucaults Moderne  , in: Jurth, Joseph (Hg.): Zeitgenössische französische Denker. Eine Bilanz, Freiburg i.Br. 1998, S. 103- 118

  1. (S. 103) Was ist die Frage nach den Bedingungen  und woran liegt die Originalität von Foucaults Stellung?
  2. (S. 103-105) Welche Beziehungen gibt es zwischen Wissen, Macht und Subjektivität?
  3. (S. 103-105) Warum kann man von einem Durchbruch im klassischen Strukturalismus reden?
  4. (S. 103-105) Inwiefern könnte man sagen, dass Foucault einen Beitrag zum Relativismus leistet?
  5. (S. 106) Welchen Unterschied gibt es zwischen Archäologie und Genealogie?
  6. (S. 107-108) Wie 'wissenschaftlich' ist die Herangehensweise von Foucault in seiner Kritik?
  7. (S. 108) Inwiefern ist die Foucaultsche Vorstellung von Macht strukturierend?

 

7. Sitzung am 26. Nov.: Foucault und der Strukturalismus: Aneignung und Distanzierung

Die angkündigte Texte! Bitte melden Sie sich, falls Sie Schwierigkeiten haben (Email)

Der Text für nächste Woche, The Structuralist Controversy : "Preface", The Structuralist Controversy, ed. By R. Macksey & Eugenio Donato, John Hopkins Press, Baltimore, 1970, S. xv-xvii (Vorwort aus 1966) &"The space between-1971 ", The Structuralist Controversy, ed. By R. Macksey & Eugenio Donato, John Hopkins Press, Baltimore, 1970, S. ix-xiii (Vorwort aus 1966)

Die Zitat von Proust auf Deutsch: "Denn die Theorien und Schulen verschlingen einander wie Mikroben und kleine Zellkörperchen und suchen durch ihren Kampf die Kontinuität des Lebens sicherzustellen".

"The space between-1971 ", The Structuralist Controversy, ed. By R. Macksey & Eugenio Donato, John Hopkins Press, Baltimore, 1970, S. ix-xiii (Vorwort aus 1966)

Derrida's Text in diesem Band, auf Deutsch (Ausschnitt). J. Derrida, "Die Struktur, das Zeichen und das Spiel im diskurs der Wissenschaften vom Menschen", in Postmoderne und Dekonstruktion - Texte französischer Philosophen der Gegenwart, herausgegeben von Peter Engelmann, Reclam, 1990, S. 114-139.

Dazu noch...

Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge, 1971 (Les mots et les choses, 1966), "Vorwort zur deutschen Ausgabe", "III Struktur".

Michel Foucault, Die Ordnung des Diskurses, 1974 (L'ordre du discours, 1971).

Gilles Deleuze, Anhang " Der Tod des Menschen und der Übermensch ", in Foucault, Paris, Minuit, pp. 131-141 (Suhrkamp, F.-a.-M., 1992, auf Frz. 1986)

Ordnung der Dinge, S. 26-27 : "Seltsamerweise ist der Mensch wahrscheinlich nichts anderes als ein bestimmter Riß in der Ordnung der Dinge (...). Daher stammen alle Schimären neuer Humanismen, alle Leichtigkeiten einer ‚Anthropologie', wenn diese als allgemeine Reflexion (...) über den Menschen verstanden wird. Indessen gibt es eine Stärkung und tiefe Beruhigung, wenn man bedenkt, daß der Mensch lediglich eine junge Erfindung ist, eine Gestalt, die noch nicht zwei Jahrhunderte zählt, eine einfache Falte in unserem Wissen, und daß er wieder verschwinden wird, sobald unser Wissen eine neue Form gefunden haben wird."

 

8. Sitzung am 3. Dez.: Derrida und seine Beziehungen zum Strukturalismus

Text für den 17. Dezember

Text von David Aubin, "The Withering Immortality of Nicolas Bourbaki: A cultural Connector at the confluence of mathematics, structuralism, and the Oulipo in France", Science in Context, 10, 1997 (2), pp. 297-342 hier.

 

9. Sitzung am 17. Dez. (keine VL am 10.): Strukturen in der Literatur: "Oulipo" als Experiment

 

Texte für die nächste Sitzung:

Text A - Jean-François Lyotard, Das postmoderne Wissen: ein Bericht, Hrsg. von Peter Engelmann, Passagen-Verlag, Wien, 1994, S. 19-28 & 57-62.

Text B - Peter Galison, "The Ontology of the Enemy: Norbert Wiener and the Cybernetic Vision", Critical Inquiry, Vol. 21, No. 1. (Autumn, 1994), S. 228-266, hier S. 258-261

Fragen

Text C - Céline Lafontaine, "The Cybernetic Matrix of 'French Theory'", Theory Culture Society.2007; 24: 27-46, hier S. 37-41


 

10. Sitzung am 7. Januar 2009: Aufschwung des Postmodernismus nach dem Niedergang des Strukturalismus

Als Übergang: "The privileging of solid over fluid mechanics, and indeed the inability of science to deal with turbulent flow at all, she attributes to the association of fluidity with femininity. Whereas men have sex organs that protrude and become rigid, women have openings that leak menstrual blood and vaginal fluids. ... These idealizations are reinscribed in mathematics, which conceives of fluids as laminated planes and other modified solid forms. In the same way that women are erased within masculinist theories and language, existing only as not-men, so fluids have been erased from science, existing only as not-solids." (Hayles, "Gender encoding in fluid mechanics: masculine channels and feminine flows" Differences: a journal of feminist cultural studies, 1992, 4 (2), 16-44)